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Siehe, ich mache alles neu! (Off 21,5)

von Kerstin Marzinzik - Impressum & Datenschutz   ·   01.02.2017   ·   5 Minuten Lesezeit

Und der, welcher auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu. Und er spricht: Schreibe! Denn diese Worte sind gewiss und wahrhaftig. (Off 21,5)

Dem Apostel Johannes war es gegen Ende seines Lebens vergönnt, einen »Blick in den Himmel« zu werfen. Das, was Jesus ihm durch einen Engel gezeigt hat (Off 1,1), ist im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung, niedergeschrieben. Vieles ist in diesem Buch wohl bildhaft beschrieben und dadurch nicht so ganz einfach zu verstehen. Zudem befremden die vielen Kriege und Katastrophen, von denen dort die Rede ist und die so gar nicht zu den Aussagen Jesu zu passen scheinen. Aber wie dem auch sei – die Offenbarung enthält auch sehr tröstliche und schöne Aussagen.

Das Buch endet mit einem Blick auf das neue Jerusalem (Off 21). Schon das irdische Jerusalem war die Stadt Gottes. König David hatte sie einst erobert und von dort aus Israel regiert (2. Sam 5). Später erschien der HERR ihm in dieser Stadt und genau an der Stelle ließ er seinen Sohn Salomo den Tempel erbauen (2. Sam 24; 2. Chr 3,1). Bemerkenswert ist, dass Gott das Aussehen des Tempels nicht dem Zufall überließ, sondern David konkrete Anweisungen dafür gab, wie der Tempel gebaut werden sollte. David gab die Pläne an seinen Sohn Salomo weiter (1.Chr 28,11-19). Als der Tempel eingeweiht wurde, erfüllte die Wolke der Herrlichkeit Gottes (auch Schechina genannt) das Haus. Von da an war Jerusalem auch »die Stadt Gottes« (Ps 87,3).

Leider wurde Israel seinem Gott bald untreu, wodurch Gottes Gericht über das Volk kam. Schließlich wurde es so schlimm, dass die Herrlichkeit Gottes den Tempel und die Stadt verließ (Hes 9,3; 10,5.18-19; 11,22-23) – interessanter Weise machte sie auf dem »Berg, der im Osten der Stadt ist«, Halt. Auch Jesus begab sich vor seiner Himmelfahrt auf einen Berg, der im Osten der Stadt liegt, den Ölberg (Apg 1,12).

Aufgrund seiner Untreue wurde das Volk schließlich deportiert und 586 v. Chr. der Tempel zerstört. Später erlaubte der Perserkönig die Rückkehr der Juden und den Wiederaufbau des Tempels. Unter Herodes dem Großen wurde der Tempelplatz gewaltig vergrößert und der Tempel umgebaut. Doch insbesondere die religiöse Führungsschicht hatte sich wieder weit von Gott entfernt. Mit der Ermordung Jesu Christi luden sie viel Schuld auf sich und das Volk (auch wenn sie den Mord aufgrund der politischen Begebenheiten nicht selbst ausführen konnten, sondern von den Römern vollstrecken lassen mussten; Joh 18,31; Mt 27,25). Bald darauf, im Jahr 70 n. Chr. wurde dieser zweite Tempel von den Römern zerstört.

Seitdem leben die Juden ohne Tempel. Allerdings gibt es inzwischen schon Vorbereitungen für einen dritten Tempel. Und selbst wenn bei der derzeitigen politischen Lage ein Wiederaufbau des Tempels noch unmöglich erscheint, so lassen die konkreten Aussagen des Propheten Hesekiel doch darauf schließen, dass es diesen Tempel eines Tages geben wird (Hes 40-47; vgl. auch die endzeitliche Aussage in 2. Thess 2,3-4, in der der »Tempel Gottes« erwähnt wird).

Das irdische Jerusalem und der Tempel haben einige glanzvolle Zeiten erlebt – doch leider waren sie immer nur kurz. Die meiste Zeit war von menschlicher Untreue und Abfall geprägt. Und gleiches gilt leider auch für das Christentum. Die harmonische Anfangszeit, in der man sich täglich im Tempel traf und allen Besitz teilte, währte nur kurz (Apg 2,42-47; 4,34-35). Schnell zogen Heuchelei und Betrug ein (Apg 5,1-10). Im Verlauf der Kirchengeschichte gab es manche hoffnungsvolle Aufbrüche, die aber früher oder später immer wieder in einen geistlichen Niedergang mündeten. Und wir sollten nicht meinen, dass unsere Zeit davon ausgenommen sei – sondern vielmehr vorsichtig und wachsam sein, wenn zentrale Inhalte der Bibel umgedeutet oder verwässert werden.

Das Schöne ist aber, dass alle menschliche Untreue und alles Versagen vor Gott nie das letzte Wort haben: »wenn wir untreu sind – er bleibt treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen« (2.Tim 2,13). Gott hat uns Menschen erschaffen und kennt unsere Schwächen. Deshalb hat er dafür gesorgt, dass der Erlösungsweg nicht von unserer Leistung abhängt – dann wären wir alle hoffnungslos verloren. Vielmehr rettet er uns aus reiner Gnade:

Denn durch die Gnade seid ihr errettet, mittels des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme. (Eph 2,8-9).

Und nicht nur das, er verspricht darüber hinaus, alles neu zu machen – einen neuen Himmel, eine neue Erde, ein neues Jerusalem und erneuerte Menschen (1.Kor 15,44-45.49-53; Off 21,1-2.5). Dann wird es weder Tod noch Trauer, Geschrei oder Schmerz mehr geben. Und sogar nicht einmal mehr einen Tempel, weil Gott selbst bei den Menschen wohnen wird und kann und nicht länger in einem abgetrennten Raum eines besonderen Haus oder Zeltes verborgen sein muss (Off 21,3.22).

Als Christen dürfen wir getrost sein. Egal, ob Sorgen, Nöte, gesundheitliche Probleme oder die Angst vor der Zukunft uns bedrücken, wer an Jesus Christus glaubt, darf gewiss sein (vgl. Off 21,5), dass alles Negative eines Tages einer herrlichen Zukunft weichen wird. Spätestens im Himmel ist alles Leid vorbei, Gott macht alles neu und gut – und alle Beschwernisse und Unannehmlichkeiten dieses Lebens sind nichts im Vergleich zu der herrlichen Zukunft, die uns erwartet:

Denn ich bin überzeugt, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll. (Röm 8,18)