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Gemeinde … in den Häusern

von Kerstin Marzinzik   ·   01.08.2017   ·   6 Minuten Lesezeit

Und sie waren täglich und stets beieinander einmütig im Tempel und brachen das Brot hin und her in Häusern, nahmen die Speise und lobten Gott mit Freuden und einfältigem Herzen und hatten Gnade beim ganzen Volk. (Apg 2,46-47; Luther)

Der sonntägliche Gottesdienst ist eine wichtige Säule der Gemeinde. Das war schon in der Anfangszeit des Christentums so. Die ersten Christen hatten sogar nicht nur wöchentlich, sondern täglich Gemeinschaft miteinander. Die Jerusalemer Christen trafen sich im Tempel. Der Tempel war in jeder Hinsicht ein geeigneter Ort. Zum einen bot der Tempel den vielen Leuten ausreichend Platz. Zum anderen kamen dorthin natürlich auch viele andere Menschen zum Opfern und Anbeten und hörten so die evangelistischen Predigten der Apostel. In anderen Städten nutzte man andere Orte und Räumlichkeiten für die gemeinsamen Gottesdienste, in Ephesus bspw. eine Philosophenschule (Apg 19,9).

Doch diese zentralen Treffen aller Glaubenden waren nur eine Säule der Anfangsgemeinde. Die Jerusalemer Gemeinde wurde schnell zu einer »Mega-Church« mit Tausenden von Glaubenden. Allein durch die Pfingstpredigt des Petrus kamen 3.000 Menschen zum Glauben an Jesus Christus (Apg 2,41). Kurz darauf, nach der Heilung eines Gelähmten und einer weiteren Predigt, nochmals mindestens 5.000 Menschen (Apg 4,4)! Um solche Menschenmengen zu integrieren und geistliches Wachstum zu fördern, war mehr nötig als eine »Gesamtversammlung« aller Glaubenden. Deshalb traf man sich zusätzlich in den Häusern. Nicht nur in Jerusalem, sondern auch an anderen Orten, wo die Gesamtzahl der Christen kleiner war. Das wird besonders aus den Briefen deutlich, in denen sich in den Grußlisten immer wieder Hinweise auf Gemeinden finden, die sich im Haus einer bestimmten Person trafen (1.Kor 16,19; Phil 1,2; Röm 16,4-5.14; vgl. auch Apg 5,42; 12,12; 16,40; 20,20):

Grüßt die Brüder in Laodizea und Nymphas und die Gemeinde in ihrem Haus. (Kol 4,15)

Da in kleinen Gruppen andere geistliche Bedürfnisse gestillt werden können als im Gottesdienst, bilden die Hauskreise, Hausgemeinden, Kleingruppen oder wie immer man sie auch nennen möchte, eine zweite unverzichtbare Säule der Gemeinde.

Was macht diese Treffen in kleinerem Kreis so besonders und unverzichtbar?

Gemäß Apg 2,46-47 (s. o.) trafen sich die ersten Christen in den Häusern, um Abendmahl zu feiern (»Brot brechen«), um Gott anzubeten (»loben«) und zusammen zu essen. Außerdem wurde füreinander gebetet und Gottes Wort studiert (Apg 12,12; 5,42; 20,20). Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass all diese Funktionen auch von unseren Gottesdiensten abgedeckt werden. Dennoch gibt es Unterschiede. Im Gottesdienst kann man passiv bleiben, in einer kleinen Gruppe ist man viel stärker persönlich herausgefordert. Bei Fragen zum Bibeltext überlegen alle mit. Man hört nicht nur die Gedanken des Pastors, sondern muss selbst mitdenken, nach Antworten suchen und vielleicht sogar einmal selbst das Gruppentreffen leiten. Man kann auch viel einfacher selber Fragen stellen. Beim gemeinsamen Beten ist die Hemmschwelle ebenfalls viel geringer, als in einer großen Gebetsgemeinschaft. In einer kleineren Gruppe entstehen viel tiefere persönliche Beziehungen. Seelsorgerliche Gespräche und persönlicher Austausch, Trost und Ermutigung, aber auch Buße sind in der geschützten und vertrauten Umgebung einer Kleingruppe gut möglich.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, seine Geistesgaben einzubringen. Und die Treffen in den Kleingruppen verringern auch die »Lücke« zwischen den Gottesdiensten. Die ersten Christen trafen sich immerhin täglich (Apg 2,46) und hatten dadurch täglich die Gemeinschaft mit dem Herrn und miteinander, wurden durch das Wort Gottes belehrt, beteten usw. Wer sich nicht täglich mit anderen Christen trifft, muss selbst darauf achten, die tägliche »geistliche Nahrung« nicht zu vernachlässigen – was angesichts der vielfältigen anderen Verpflichtungen und Angebote nicht immer leicht ist.

Die genanntenVorzüge der Kleingruppe sollen die Bedeutung des Gottesdienstes und der Predigt nicht herabwürdigen. Beide sind wichtig. Predigten sind für die Belehrung der Glaubenden unverzichtbar. In Predigten kann Hintergrundwissen vermittelt werden und Zusammenhänge aufgezeigt werden, die vielleicht nicht jedem Gemeindeglied zugänglich sind.

Gott in einer großen Gruppe zu loben und zu preisen, ist außerdem besonders schön. Das Zusammenkommen der gesamten Gemeinde zeigt, dass man Teil eines »großen Ganzen« ist. Zusammen hat man auch viel mehr Möglichkeiten, in den Ort zu wirken und das Evangelium weiterzugeben. Die Gemeinde braucht beide Standbeine, um gut aufgestellt zu sein!

Bibel- und Gebetsstunden (»Treffpunkt Bibel« und »Gebetstreff«) sind weitere wichtige Säulen einer Gemeinde. In der Bibelstunde steht das Wort Gottes im Mittelpunkt. Austausch über persönliche Belange findet nur am Rande statt. Ähnliches gilt für die Gebetsstunde. Dort steht neben der Anbetung Gottes das Gebet für die für Missionare, für die Gemeinde, den Ort, die Regierung und Ähnliches im Vordergrund, obwohl natürlich auch für persönliche Dinge gebetet wird. Im Hauskreis kann und soll für all das natürlich ebenfalls gebetet werden, aber die persönlichen Anliegen und Sorgen nehmen dort einen deutlich größeren Raum ein.

Die Apostel (einschließlich Paulus) wussten um den Wert und die Notwendigkeit der Hauskreise und unterstützten diese, indem sie neben den öffentlichen Verkündigungen auch in die Häuser gingen, um die Glaubenden zu belehren.

und sie [die Apostel] hörten nicht auf, jeden Tag im Tempel und in den Häusern zu lehren und Jesus als den Christus zu verkündigen. (Apg 5,42)

wie ich [Paulus] nichts zurückgehalten habe von dem, was nützlich ist, dass ich es euch nicht verkündigt und euch gelehrt hätte, öffentlich und in den Häusern, … (Apg 20,20)

Und die Apostel sahen diese Dienste nicht nur als eine Pflicht an, sondern hatten sogar ein Verlangen danach:

Denn mich verlangt danach, euch zu sehen, damit ich euch etwas geistliche Gnadengabe mitteile, um euch zu befestigen, das ist aber, um mit euch getröstet zu werden in eurer Mitte, ein jeder durch den Glauben, der in dem anderen ist, sowohl euren als meinen. (Röm 1,11-12)

Paulus fühlte sich in seinem Dienst nicht nur als Gebender, sondern war gleichzeitig auch Empfangender. Er war ja in ständiger Sorge um die Gemeinden (2.Kor 11,28) und wurde daher getröstet, wenn er sah, dass sie im Glauben wuchsen und fester wurden. Im Hauskreis findet eigentlich immer ein gegenseitiges »Geben und Nehmen« statt. Jeder bringt sich ein, jeder trägt etwas bei (so wie es ursprünglich auch bei den Großtreffen war, vgl. 1.Kor 14,26). Und jeder wird durch den Glauben und das Wirken Gottes im Leben der anderen ermutigt, getröstet und gestärkt.

Was ist es nun, Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder von euch einen Psalm, hat eine Lehre, hat eine Offenbarung, hat eine Sprache, hat eine Auslegung; alles geschehe zur Erbauung. (1.Kor 14,26)

Deshalb freuen wir uns auch in unserer Gemeinde über unsere vielfältigen Hauskreise. Wer noch keinem Hauskreis angehört, ist herzlich eingeladen, sich einem der bestehenden Hauskreise anzuschließen (viele haben noch Platz für neue Teilnehmer) oder kann selbst mit Gleichgesinnten einen neuen Hauskreis gründen.