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Bibelfreun.de

500 Jahre Reformation

von Kerstin Marzinzik   ·   01.10.2017   ·   6 Minuten Lesezeit

Für die christlichen Kirchen ist das Jahr 2017 ein besonderes, denn am 31. Oktober jährt sich zum 500. Mal die durch Martin Luther angestoßene Reformation, die zur Entstehung der evangelischen Kirchen führte. Doch was genau geschah damals eigentlich?

Martin Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben geboren. 1505 geriet der damalige Student in ein schweres Gewitter. In Todesangst gelobte er, in ein Kloster einzutreten und machte dieses Versprechen zwei Wochen später wahr. Er führte ein so strenges Mönchsleben, dass er schon 1507 zum Priester geweiht wurde. Trotz täglicher Bußübungen plagten Luther große Gewissensnöte. Ihn beschäftigte die Frage: »Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?« so sehr, dass ihm sein Beichtvater empfahl, Theologie zu studieren und ihn dazu nach Wittenberg versetzte. Dort erwarb er 1512 seinen Doktortitel und wirkte dort auch bis zu seinem Tod als Theologieprofessor.

Luther litt darunter, dass er mehr aus Angst vor Gottes Bestrafung seine Sünden beichtete als aus Liebe zu Gott und aufrichtiger Reue. Das wiederum machte ihn unsicher, ob ihm dann überhaupt von Gott vergeben würde.

Sein Gewissen war sensibel genug, um zu erkennen, dass sein Leben nicht »gut genug« war, um vor Gott Bestand zu haben. Alle Menschen sind Sünder, wie die Bibel im Römerbrief deutlich sagt:

Röm 3,23: Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie vor Gott haben sollen …

Mancher denkt, dass er kein schlechter Mensch sei, weil er niemanden getötet hat, nicht stiehlt und im Allgemeinen anständig lebt. Das ist natürlich gut! Aber in Gottes Augen fängt die Sünde schon in den Gedanken an. Jesus sagt, dass selbst schon das begehrliche Anschauen einer Frau Ehebruch ist, selbst wenn es nicht zur Tat kommt. Und selbst Zorn oder Beschimpfen eines Menschen machen vor Gott bereits schuldig und nicht erst ein Mord.

Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist (2. Mose 20,13; 21,12): »Du sollst nicht töten«; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz!, der ist des Hohen Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig. (Mt 5,21-22)

Ihr habt gehört, dass gesagt ist (2. Mose 20,14): »Du sollst nicht ehebrechen.« Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen. (Mt 5,27-28)

Wer kann dann vor Gott bestehen?

Luther versuchte alles, um die Zweifel bezüglich seiner Sündenvergebung und ewigen Errettung »loszuwerden«. Er reiste sogar nach Rom, legte dort eine Generalbeichte ab und erklomm auf Knien die »Heilige Treppe« am Lateran, um Sündenvergebung für sich zu erlangen und seine verstorbenen Verwandten aus dem Fegefeuer zu befreien. Doch auch das konnte sein Gewissen nicht beruhigen. Der Durchbruch kam erst, als er intensiv über den Bibelvers Römer 1,17 nachdachte:

Denn darin [im Evangelium] wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht (Habakuk 2,4): »Der Gerechte wird aus Glauben leben.«

Das war es, wonach er seit Jahrzehnten vergeblich gesucht hatte: Gottes ewige Gerechtigkeit ist ein reines Gnadengeschenk! Sie kann und muss nicht durch gute Taten verdient werden.

[…] Denn durch des Gesetzes Werke wird kein Mensch vor ihm gerecht sein. Denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde. (Röm 3,20)

Alles, was für die ewige Rettung jedes Menschen nötig ist, hat Jesus Christus bereits vollbracht, als er am Kreuz für die Sünden starb. Dem kann und muss nichts mehr hinzugefügt werden. Das einzige, was zu tun ist, ist, daran zu glauben:

Joh 3,36: Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer aber dem Sohn nicht gehorsam ist, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.

Dem Gericht und der Strafe Gottes kann man also nicht durch eigene Leistungen entgehen. Käme es auf gute Taten an, könnte man nie sicher sein, ob es denn ausreicht. Aber der Glaube an die vollbrachte Tat von Jesus Christus schenkt Gewissheit einer ewigen Errettung:

1.Pt 2,24: [Jesus,] der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz […]

1.Pt 3,18: Denn auch Christus hat einmal für die Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er euch zu Gott führte […]

1.Joh 5,13: Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr das ewige Leben habt, euch, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes.

Diese Erkenntnis aus der Heiligen Schrift über die Gnade Gottes durch den Glauben an Jesus Christus vermittelte Luther dann 1515 in einer Vorlesung über den Römerbrief. Die katholische Kirche hatte dagegen ein anderes Gnadenverständnis. Sie sah sich selbst als Vermittlerin der Gnade Gottes – und nahm damit viel Geld ein, insbesondere durch den Verkauf von Ablassbriefen. Mit diesen Briefen sollte es möglich sein, die Zeit der Reinigung im Fegefeuer zu verkürzen – je nach Höhe des gezahlten Betrages. Diese Ablassbriefe wurden 1515 von dem Dominikanermönch Johannes Tetzel mit dem Spruch: »Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt!« beworben. Mit dem Erlös wollte die Kirche die Fertigstellung des Petersdoms in Rom finanzieren. Luther wandte sich gegen diese unbiblische Lehre und verfasste im Oktober 1517 seine 95 Thesen, in denen er den Ablass verurteilte. Er schickte sie an den Mainzer Erzbischof Albrecht, verbreitete sie unter seinen Freunden und schlug sie der Überlieferung nach am 31. Oktober am Hauptportal der Schlosskirche von Wittenberg an. Dieser Tag steht bis heute für den Beginn der Reformation, die leider nicht, wie von Luther eigentlich beabsichtigt, zu einer Reformation der Kirche, sondern zu einer Aufspaltung in katholische und evangelische Kirche führte.

Durch den gerade aufkommenden Buchdruck verbreiteten sich Luthers Thesen sehr schnell und selbst über Grenzen hinweg. Die römisch-katholische Kirche leitete 1518 Untersuchungen gegen Luther ein und warf ihm Ketzerei vor. Luther weigerte sich, seine Schriften zu widerrufen und zweifelte auch die Unfehlbarkeit des Papstes und der Konzilien an. Da sich seine Schriften rasch verbreiteten und er viele neue Anhänger gewann, erhielt er am 20. Juni 1520 eine päpstliche Bannandrohungsbulle*, die er allerdings öffentlichkeitswirksam unter dem Jubel seiner Freunde verbrannte. Am 3. Januar 1521 wurde daraufhin der Kirchenbann über Luther verhängt, d. h. er wurde aus der Kirche ausgeschlossen. Als er im gleichen Jahr auch auf dem Reichstag in Worms vor dem deutschen Kaiser Karl V. den Widerruf seiner Schriften verweigerte, verhängte man die Reichsacht über Luther und seine Anhänger (Wormser Edikt).

Der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise, der Luther wohlgesonnen war und um dessen Leben fürchtete, ließ ihn zu dessen Sicherheit auf die Wartburg bei Eisenach »entführen«, wo Luther sich zehn Monate lang als »Junker Jörg« versteckt hielt. Er nutze die Zeit, um das Neue Testament ins Deutsche zu übersetzen. Später folgte auch das Alte Testament. 1534 wurde die erste gesamtdeutsche Bibel in Wittenberg gedruckt. Sie beeinflusste wie kein anderes Buch die deutsche Sprache und gilt neben Reformationen im Kirchen-, Schul- und Sozialwesen als Hauptwerk des Reformators.

* Eine Bannbulle ist eine meist päpstliche Urkunde, die eine Lehrverurteilung oder eine Exkommunikation (d. h. Kirchenausschluss) als Bann ausspricht. Vor der Bannbulle gibt es in manchen Fällen als Vorstufe eine Bannandrohungsbulle.