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Bibelfreun.de

Eine ungewöhnliche Geschichte

von Kerstin Marzinzik   ·   01.12.2017   ·   5 Minuten Lesezeit

Die Weihnachtsgeschichte (Lk 2; Mt 1-2) gehört zu den bekanntesten Teilen der Bibel. Sie ist uns so vertraut, dass uns die vielen kleinen »Merkwürdigkeiten« kaum noch auffallen. Und doch ist es interessant, sie einmal zu betrachten.

Jesus ist nicht nur der Retter oder Messias, sonders auch der König Israels (Mk 15,22; Joh 1,49; 12,13) bzw. König der Juden (Mt 2,2; 27,11.29.37; Mk 15,2.9.12.18.26; Lk 23,3.37.38; Joh 18,33.39; 19,3.12.14.19.21). Wo werden Könige normalerweise geboren? In der Hauptstadt, was im Falle Israels also Jerusalem wäre. Kein Wunder, dass die Weisen aus dem Osten Jesus genau dort suchten (Mt 2,1-2). Doch Gott hatte es im Voraus anders geplant und vorhergesagt. Deshalb konnten die Schriftgelehrten weiterhelfen und die Weisen nach Bethlehem schicken (Mt 2,5-6) – eine kleine, unbedeutende Stadt, die von guten Weiden umgeben war. Deshalb gab es dort viele Hirten (auch David war ja vor seiner Berufung zum König Hirte gewesen). Und von dort bezogen die Priester die Lämmer für die Opfer im Tempel.

Und natürlich wurden Kinder von Königen, Herrschern und anderen vornehmen Familien auch an entsprechend »würdigen« Orten geboren, in einem Palast oder einem großen Haus:

Lk 7,25: Aber was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Menschen, mit weichen Kleidern bekleidet? Siehe, die in herrlicher Kleidung und in Üppigkeit leben, sind an den Königshöfen [oder: Häusern der Könige, so Mt 11,8].

Und wo lag Jesus? In einer Krippe! Selbst die ärmsten Familien in Israel hatten eine Wiege für ihr Baby!

Und wer erfährt normalerweise zuerst von der Geburt einer bedeutenden Person? Eigentlich die »High Society«, die Oberschicht, die Vornehmen und Gebildeten. Im Falle Israels wären das die Priester oder Pharisäer und Schriftgelehrten. Und wenn der Engel zum Tempel geflogen wäre und dort die Geburt Jesu verkündigt hätten – das wäre doch ein würdiger Rahmen gewesen! Stattdessen kam der Engel zu den Hirten auf dem Feld! Zu ungebildete und in der Gesellschaft völlig verachtete Leuten. Und – mindestens genauso erstaunlich – ist, dass die nächsten erwähnten »Besucher« Heiden waren, die Weisen aus dem Osten!

Was will Gott uns damit zeigen? Zum einen, dass Jesus sich nicht zu schade war, den »letzten Platz« einzunehmen. Er erniedrigte sich von Anfang an – und endete schließlich am Kreuz, dem Höhepunkt seiner Erniedrigung (vgl. Phil 2,5-8). Er wurde nicht nur Mensch (was für Gott an sich ja schon eine große Erniedrigung war), sondern war auch immer wieder bereit, den »letzten Platz« einzunehmen und auf Annehmlichkeiten und Komfort zu verzichten.

Andererseits macht Gott so auch von Anfang an deutlich, dass Jesus für alle Menschen gekommen ist. Nicht nur für die Reichen und Angesehenen, sondern auch (oder insbesondere?) für die Armen und Verachteten und sogar für die Heiden.

Fazit: Gott handelt oft anders, als wir es tun oder erwarten würden.

Das ist gerade auch im Hinblick auf Gebet wichtig. Wenn wir beten, haben wir oft sehr konkrete Vorstellungen, wie Gott das Problem lösen sollte – und sind manchmal enttäuscht, wenn es dann anders kommt. Aber Gott ist souverän. Wir können ihm keine Vorschriften machen. Wenn wir beten, handelt Gott immer. Manchmal so, wie wir es wünschen und erwarten, manchmal ganz anders. Und manchmal verändert er auch nur uns und unseren Umgang mit der Situation.

Leben wir mit dem Vertrauen, das Paulus im Römerbrief ausdrückt?

Röm 8,28-29: Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach Vorsatz berufen sind. Denn welche er zuvor erkannt hat, die hat er auch zuvor bestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.

Um Jesus gleichförmig zu werden, muss Gott erstmal uns verändern, nicht unbedingt die Situation! Deshalb heißt eine der zentralen Bitten im Vaterunser: »… DEIN Wille geschehe«.

Meinen wir das ernst, wenn wir es beten – oder beten wir diese Worte gar nicht erst? Wohl dem, der alle seine Anliegen dem Willen Gottes unterordnet!

Happy End

In der Weihnachtsgeschichte läuft manches anders als erwartet, es beginnt mit vielen Schwierigkeiten: Jesus scheint ein uneheliches Kind zu sein, gerade zum Zeitpunkt der Geburt mussten Maria und Josef eine weite Reise antreten, bei der Ankunft war der Ort überfüllt, alle Gastzimmer belegt. … Bald mussten sie sogar nach Ägypten fliehen. Man hat angesichts der vielen Schwierigkeiten nicht den Eindruck, als ob Gott das Paar segnen würde. Und doch verlief alles genau nach Gottes Plan – gerade dadurch erfüllten sich die vielen Verheißungen im AT. Die Jungfrau wurde schwanger (Jes 7,14; Mt 1,23). Jesus wurde in der kleinen Stadt Bethlehem geboren (Mi 5,1; Mt 2,5). Es gab eine große Wehklage in Rama bzw. Bethlehem, als Herodes die Kinder töten ließ (Jer 31,15; Mt 2,18). Der Sohn Gottes wurde aus Ägypten »gerufen« (Hos 11,1; Mt 2,15).

Wenn wir denken, in einem gesegneten Leben müsste alles glatt laufen, irren wir uns!

Das Leben eines jeden Glaubenden wird ein Happy End haben – wenn wir bei Jesus im Himmel sind. Aber bis dahin erwarten uns manche Schwierigkeiten. Das hat Jesus uns nicht anders versprochen:

Joh 16,33: In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid guten Mutes, ich habe die Welt überwunden.

Apg 14,22: [Paulus und Barnabas] ermahnten sie [die Glaubenden in Lystra, Ikonium und Antiochia], im Glauben zu verharren, und dass wir durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen müssen.

Joh 16,22: Auch ihr nun habt jetzt zwar Traurigkeit; aber ich werde euch wiedersehen, und euer Herz wird sich freuen, und eure Freude nimmt niemand von euch.

Joh 15,11: Dies habe ich zu euch geredet, damit meine Freude in euch sei und eure Freude völlig werde.

Frohe Weihnachten!