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Nicht von dieser Welt!

von Kerstin Marzinzik   ·   01.05.2018   ·   4 Minuten Lesezeit

Im letzten Gemeindebrief hatten wir die Salbung Jesu durch Maria von Bethanien betrachtet. Sie ist ein wahres Vorbild für Hingabe, wurde aber für ihre Handlungen auch kritisiert. So hätten Judas Iskariot und auch einige andere Jünger es sinnvoller gefunden, wenn man das Öl verkauft und den Erlös zur Linderung der Armut verwendet hätte (Mk 14,4-5). Ein wirklich plausibel und fromm klingender Einwand. Selbst wenn er nicht ganz aufrichtig war, denn Judas, der die Kasse verwaltete, bereicherte sich selbst aus dieser Kasse (Joh 12,6). Darauf ging Jesus nicht näher ein. Aber bezüglich der Armen erklärte er:

Lasst sie; was macht ihr ihr Schwierigkeiten? Sie hat ein gutes Werk an mir getan; denn die Armen habt ihr allezeit bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen wohltun; mich aber habt ihr nicht allezeit. (Mk 14,6-7)

Eine interessante und erschütternde Aussage: Arme wird es allezeit geben. 2.000 Jahre Christentum konnten daran nichts ändern. Es ist ein hoffnungsloses Unterfangen, die Welt global verbessern zu wollen. Natürlich gebietet die christliche Nächstenliebe, Not zu lindern, Armen zu helfen und anderen Gutes zu tun. Deshalb sagt Jesus auch: »wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen wohltun«. Aber er formuliert vorsichtig: wenn ihr wollt. Es ist also kein Gebot. Kein »ihr müsst« oder »ihr sollt«. Warum?

Vermutlich weil Jesus weiß, dass sich die Strukturen dieser Welt erst dann grundlegend ändern werden, wenn er wiederkommt und sein Reich, das Friedensreich, aufrichten wird. Eine Kette ist nicht stärker als das schwächste Glied. Mit »alten Menschen« kann man keine »neue Welt« bauen. Die Sünde steckt zu tief im Menschen. Der Mensch ist egoistisch, er ist auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Und das führt immer wieder zu Ungerechtigkeiten, zu Unterdrückungen, Benachteiligungen, Misshandlungen usw.. Die Weltgeschichte zeigt, dass weder Aufklärung und Bildung, weder technischer Fortschritt noch sonst irgendetwas daran etwas geändert haben.

… das Sinnen des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an (1.Mo 8,21)

Arglistig ist das Herz, mehr als alles, und verdorben ist es … (Jer 17,9)

Natürlich gibt es löbliche Ausnahmen – sowohl unter Christen wie unter Nichtchristen. Dennoch bleibt es Fakt, dass in jedem Menschen ein Hang zum Bösen existiert. Niemand ist vollkommen gut und gerecht. Und deshalb wird auch diese Welt nicht in ein Paradies zurückverwandelt werden können. Dazu bedarf es eines »Eingriffs von oben«. Nicht umsonst betont Jesus, dass sein Reich nicht von dieser Welt ist – genauso wie er selbst nicht von dieser Welt ist.

Und er [Jesus] sprach zu ihnen: Ihr seid von dem, was unten ist, ich bin von dem, was oben ist; ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt. (Joh 8,23)

Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wenn mein Reich von dieser Welt wäre, hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht überliefert würde; jetzt aber ist mein Reich nicht von hier. (Joh 18,36)

Deshalb verhielt Jesus sich anders, als es in dieser Welt üblich ist. Deshalb ermuntert er auch seine Jünger, sich anders zu verhalten, als es in dieser Welt üblich ist (vgl. z. B. seine Ausführungen in der Bergpredigt). Und deshalb ist auch für »irdische Menschen« kein Platz in seinem Reich. Nur Menschen, die »von oben« oder »von neuem« (Joh 3,3; beide Übersetzungen sind möglich) geboren sind, können das Reich sehen bzw. Teil des Reiches sein. Also nur Menschen, die an Jesus Christus glauben und infolgedessen den Heiligen Geist empfangen haben, sind von neuem geboren und werden durch das fortwährende Wirken des Heiligen Geistes immer mehr erneuert und Jesus Christus ähnlicher:

Wir alle aber, mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauend, werden verwandelt nach demselben Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, als durch den Herrn, den Geist. (2.Kor 3,18)

… dass ihr, was den früheren Lebenswandel betrifft, abgelegt habt den alten Menschen, der nach den betrügerischen Begierden verdorben wird, aber erneuert werdet in dem Geist eurer Gesinnung und angezogen habt den neuen Menschen, der nach Gott geschaffen ist in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit. (Eph 4,22-24)

Deshalb liegt unser Hauptauftrag in dieser Welt nicht darin, für die Verbesserung der Strukturen zu kämpfen, sondern dazu beizutragen, dass Menschen »von oben geboren« und erneuert werden. Das Reich Gottes funktioniert nur mit erneuerten Menschen. Und was würde es den Menschen nützen, wenn ihnen das jetzige Leben erleichtert wird, aber sie in Ewigkeit verloren sind? Deshalb lautet Jesu Hauptauftrag an uns:

Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe. (Mt 28,19-20)

Da, wo Menschen sind, die an Jesus Christus glauben, da ist Gottes Reich – schon jetzt und heute (vgl. Lk 17,21: »das Reich Gottes ist mitten unter euch«). Helfen wir mit, Gottes Reich auszubreiten?!