Gemeindebriefportal von Kerstin Marzinzik

· Texte Suche Impressum & Datenschutz · Zurück Weiter

K.M.


Bibelfreun.de

Die Gnade Gottes

von Kerstin Marzinzik - Impressum & Datenschutz   ·   01.08.2018   ·   5 Minuten Lesezeit

Gnädig und barmherzig ist der HERR, langsam zum Zorn und groß an Güte. (Ps 145,8)

Gott ist gnädig. Er vergibt uns, wenn wir ihm unsere Sünden bekennen (1.Joh 1,9). Aus Gnade errettet er uns vor dem Zorn Gottes und dem ewigen Verderben (vgl. 2.Thess 1,8) und schenkt uns ewiges Leben. Wir können und müssen selbst nichts für unsere Errettung tun, außer zu glauben, dass Jesus alles dazu notwendige bereits für uns getan hat. Was für ein Geschenk!

Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes aber ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn. (Röm 6,23)

Denn durch die Gnade seid ihr errettet, mittels des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme. (Eph 2,8-9)

Auch die Fähigkeiten, mit denen Gott die Glaubenden beschenkt, haben wir der Gnade Gottes zu verdanken. Sie sind nicht unser Verdienst. Deshalb werden sie auch Gnadengaben genannt (vgl Röm 12,6; 1.Kor 12,4; 1.Pt 4,10). Damit wird deutlich, dass wir alles, was wir sind und haben, der Gnade Gottes zu verdanken haben. Wir dürfen uns an allen Gaben Gottes freuen und sie zum Wohle aller Menschen gebrauchen; aber wir sollten uns nichts darauf einbilden und nicht stolz darauf sein, weil sie ja Geschenke Gottes sind, mit denen Gott uns gesegnet hat.

Soweit so gut. Solange wir selbst die Nutznießer der Gnade Gottes sind, freuen wir uns über Gottes Gnade und sind zufrieden. Aber wie sieht es aus, wenn wir sehen, wie Gott andere segnet?

Können wir uns auch noch über Gottes Gnade freuen, wenn wir sehen, dass Gott andere Christen, die sich vielleicht sogar weniger für Gottes Reich engagieren, »den gleichen Lohn«, den gleichen Segen schenkt wie uns? Die Arbeiter im Weinberg, von denen Jesus in einem Gleichnis erzählt (Mt 20,1-16), hatten den ganzen Tag in der Sonne geschuftet und erhielten am Ende des Tages den gleichen Lohn wie andere, die nur eine Stunde gearbeitet hatten. Zwar erhielten sie genau so viel, wie der Besitzer ihnen bei der Anstellung versprochen hatte: einen Denar – den damals üblichen Tageslohn. Das, was man zum Leben brauchte. Und hätten sie nicht gesehen, dass andere für weniger Arbeit den gleichen Lohn bekommen hätten, wären sie auch zufrieden gewesen. Aber so? So waren sie unzufrieden und murrten (V.11). Werden wir nicht auch oft unzufrieden, wenn wir uns mit anderen vergleichen?

Eigentlich könnten wir dankbar sein, dass Gott uns so reich segnet. Dass wir ein Dach über dem Kopf und satt zu essen haben und noch jede Menge Luxus obendrein. Dass er uns Gaben gegeben hat, mit denen wir ihm und anderen dienen können. Alles wäre gut, wenn nicht … der eine oder andere noch dieses oder jenes hätte, das ich auch so gerne hätte.

Was sagt der Weinbergbesitzer den murrenden Arbeitern? »Blickt dein Auge böse, weil ich gütig bin?« (V.15). In dem Gleichnis sorgt der Herr dafür, dass auch die Arbeiter, die weniger gearbeitet hatten, genug Geld bekamen, um ihre Familie zu ernähren. War es da wirklich fair, zu murren?

Überhaupt ist Gott oft viel großzügiger, als wir es wären. Wir würden besonders denen gegenüber gnädig und großzügig sein, die es uns oder anderen gegenüber sind. Menschen also, die es irgendwie »verdienen«. Gott handelt ganz anders. Nicht nach Leistung oder Verdienst – sonst wäre Gnade nicht mehr Gnade (Röm 11,6)! Gott ist auch solchen Menschen gnädig und tut ihnen Gutes, die es überhaupt nicht »verdienen«!

[der Vater im Himmel] lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. (Mt 5,45)

Und Jesus fordert uns dazu auf, genauso zu handeln:

Doch liebt eure Feinde, und tut Gutes, und leiht, ohne etwas zurückzuerhoffen, und euer Lohn wird groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. (Lk 6,35-36)

Wir sollen also selbst die »bösen« und uns feindlich gesinnten Menschen lieben und ihnen Gutes tun. Wenn wir das tun, erweisen wir uns als Söhne Gottes. Und dürfen Lohn von Gott (vgl. Kol 3,24) erwarten, nicht unbedingt von den Menschen. In diesem Leben wird einem nämlich nicht immer alles gedankt, aber bei Gott bleibt keine gute Tat ungesehen und »unbelohnt«:

dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird es dir vergelten (Mt 6,4)

Die explizite Erwähnung der »Undankbaren« in Lk 6,36 sollte auch uns zum Nachdenken bringen. Die vielen Menschen, die Gott nicht (richtig) kennen, sind ihm natürlich auch nicht dankbar. Aber wie steht es mit uns? Wie vieles nehmen wir als selbstverständlich hin, ohne IHM dafür zu danken! Wie oft sind wir unzufrieden, weil uns vermeintlich noch irgendetwas zu unserem Glück fehlt. Anstatt den Blick eimal von dem vermeintlich Fehlenden abzuwenden und auf all das viele Gute zu blicken, das der HERR uns täglich schenkt.

Preise den HERRN, meine Seele, und all mein Inneres seinen heiligen Namen! Preise den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht alle seine Wohltaten! Der da vergibt alle deine Ungerechtigkeit, der da heilt alle deine Krankheiten; der dein Leben erlöst von der Grube, der dich krönt mit Güte und Erbarmungen; der mit Gutem sättigt dein Alter; deine Jugend erneuert sich wie die des Adlers. (Ps 103,1-5)