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Gottes Gnade, Neid und Demut

von Kerstin Marzinzik - Impressum & Datenschutz   ·   01.10.2018   ·   5 Minuten Lesezeit

Gottes Gnade reicht so weit, dass selbst Gottlose in ihren Genuss kommen (siehe Gemeindebrief 08/09 2018), was manchmal dazu führt, dass Kinder Gottes neidisch werden, wenn sie sehen, wie gut es den Gottlosen geht:

Ich aber — fast wäre ich gestrauchelt mit meinen Füßen, wie leicht hätte ich einen Fehltritt getan! Denn ich beneidete die Übermütigen, als ich das Wohlergehen der Gottlosen sah. (Ps 73,2-3; Schlachter)

Die meisten kennen wohl solche Gefühle, wie Asaph sie in Ps 73 äußert. Aber Asaph reflektierte seine Gedanken und erkannte, dass sie nicht richtig waren. In V. 22 sagt er, dass er, als er die Gottlosen beneidete, »dumm« war, wie ein Tier! Und in V. 2 (s. o.), dass diese Gedanken ihn fast zum Straucheln gebracht hätten.

Begehrt der Geist, der in uns wohnt, mit Neid? (Jak 4,5-6)

Auch Jakobus warnt davor, andere Menschen, egal ob glaubend oder nicht, zu beneiden. Denn wenn wir neidisch sind, werden wir nicht vom Geist Gottes bestimmt, sondern von unserer alten Natur. Der Geist Gottes bewirkt keinen Neid – im Gegenteil: Er gönnt anderen Gutes. Als Jesus in der Wüste 40 Tage gefastet hatte, lehnte er es ab, für sich selbst aus Steinen Brot zu machen (natürlich auch deshalb, weil der Teufel ihn damit verführen wollte; Mt 4,3-4). Als dagegen eine große Menschenmenge nach seiner langen Predigt hungrig war, scheute er sich nicht, aus fünf Broten und zwei Fischen genug Nahrung für 5.000 Männer (Frauen und Kinder nicht mitgezählt!) zu machen (Mt 14,13-21). Jesus hat nicht auf seinen eigenen Vorteil geachtet, sondern auf den der anderen. Ebenso Paulus (1.Kor 10,33). Und genau dazu sind auch wir aufgefordert (vgl. Phil 2,4). Ein Kennzeichen der (göttlichen) Liebe, wie sie im »Hohelied der Liebe« in 1.Kor 13 beschrieben wird, ist, dass sie nicht »das Ihre« sucht (V.5). Im Kapitel davor, in 1. Kor 12, wird die Gemeinde mit einem Körper (»Leib«) verglichen. Auch dazu passt Neid überhaupt nicht. Damit der Körper funktioniert, müssen die vielen verschiedenen Glieder des Leibes zusammenspielen. Sobald eines »krank« ist, leidet der ganze Körper. Wenn dagegen ein Glied mit seinen Fähigkeiten glänzen kann, freuen sich alle anderen mit.

Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit; oder wenn ein Glied verherrlicht wird, so freuen sich alle Glieder mit. (1.Kor 12,26)

Und genau so sollte es auch unter uns Christen sein. Kein Neid, sondern gegenseitiges Wohlwollen und Gönnen, gegenseitiges Freuen über die Gaben und Fähigkeiten der anderen. Wir gehören alle zusammen. Wir profitieren von den Gaben und Fähigkeiten der anderen. Und wenn einer mit seinen Gaben hervorsticht und geehrt wird, sollten wir uns alle mitfreuen. Wie in einer Familie, wo sich die Eltern über die Erfolge ihrer Kinder mitfreuen. Da ist man doch nicht neidisch, nur weil einem selbst als Kind entsprechendes nicht geglückt ist!

Wenn wirklich Gottes Geist in uns regiert und Gottes Liebe uns erfüllt, dann müssen wir einander nicht beneiden, sondern können uns in Liebe begegnen und übereinander freuen – und natürlich auch über unseren großen Herrn, den gnädigen Geber aller guten Gaben!

Wie wir gesehen haben, erreicht Gottes Gnade ausnahmslos alle Menschen, selbst Nichtglaubende (vgl. Mt 5,45; Lk 6,35; Apg 14,17). Und man kann sie sich nicht verdienen. Andererseits nennt die Bibel aber doch ein Kriterium, durch das man das Empfangen der Gnade Gottes beeinflussen kann: Demut!

Begehrt der Geist, der in uns wohnt, mit Neid? Er gibt aber größere Gnade; deshalb spricht er: »Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade.« (Jak 4,5-6; vgl. 1.Pt 5,5; Spr 3,34)

Es ist wie mit Regen, der zwar über das ganze Land kommt, sich aber an den tiefsten Stellen sammelt und Pfützen bildet. Genauso sucht sich Gottes Gnade die »tiefsten Stellen«. Sie bleibt nicht auf den Hochmütigen und Stolzen, sondern fließt zu den Demütigen, d. h. zu denen, die sich selbst erniedrigen. Wer reichlich in den Genuss von Gottes Gnade kommen möchte, sollte sich davor hüten, hochmütig oder stolz zu sein. Wer meint, vor Gott toll dazustehen, wer sich auf seine Fähigkeiten etwas einbildet und vergisst, dass sie Gnadengaben Gottes sind, verschließt sich der Gnade Gottes. In dieser Gefahr stehen gerade die Frommen. Jesus erzählte einmal die Begebenheit von einem Pharisäer und einem Zöllner, die beide zum Beten in den Tempel gingen (Lk 18,9-14). Der stolze Pharisäer rühmte in seinem Gebet seine eigene Frömmigkeit und verachtete den Zöllner. Der Zöllner dagegen war sich seiner Unwürdigkeit voll bewusst und flehte Gott um Gnade an. Und Gott? Der erhörte das demütige Gebet des Zöllners um Gnade und gewährte sie diesem!

Damit wollte Jesus seinen Zuhörern sagen:

jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; wer aber sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden. (Lk 18,14)

Selbsterniedrigung und Demut sind der Schlüssel zu Gottes Gnade und geistlichem Segen!

Auch Paulus ermutigt uns in seinen Briefen immer wieder dazu, demütig zu sein. Demut, Sanftmut, Langmut usw. sollte jeden »Auserwählten Gottes« zieren. Nur durch solche Tugenden erweisen wir uns unserer Berufung als würdig!

Zieht nun an, als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Sanftmut, Langmut, … (Kol 3,12)

Ich ermahne euch nun, ich, der Gefangene im Herrn, dass ihr würdig wandelt der Berufung, mit der ihr berufen worden seid, mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut, einander ertragend in Liebe, euch befleißigend, die Einheit des Geistes zu bewahren in dem Band des Friedens. (Eph 4,1-3)

so erfüllt meine Freude, dass ihr gleich gesinnt seid, dieselbe Liebe habend, einmütig, eines Sinnes, nichts aus Streitsucht oder eitlem Ruhm tuend, sondern in der Demut einer den anderen höher achtend als sich selbst; ein jeder nicht auf das Seine sehend, sondern ein jeder auch auf das der anderen. (Phil 2,2-4)