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Liebe in der Gemeinde … kein Automatismus!

von Kerstin Marzinzik - Impressum & Datenschutz   ·   28.01.2019   ·   5 Minuten Lesezeit

Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebet, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebet. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt. (Joh 13,34-35)

Dieses Liebesgebot gab Jesus seinen Jüngern kurz vor seiner Kreuzigung. Es ist kein leichtes Gebot. Denn zu lieben, wie Jesus selbst geliebt hat, ist etwas, das den meisten Menschen nicht von selbst gelingt. Die Jünger Jesu waren eine bunt gemischte Truppe. Rauhe Männer, die nicht zimperlich waren. Petrus hieb bei Jesu Verhaftung einem Knecht des Hohepriesters das Ohr ab (Joh 18,10). Später verleugnete er seinen Herrn sogar dreimal! Jakobus und Johannes wollten einmal Feuer vom Himmel herabfallen lassen, weil ein samaritisches Dorf sie nicht aufnehmen wollte (Lk 9,54). Jesus gab ihnen den Beinamen »Söhne des Donners« (Mk 3,17) nicht ohne Grund! Alles keine »Unschuldsknaben«, aber Jesus zeigte ihnen Liebe, nahm sie an, wie sie waren. Wies sie zurecht, wenn sie »über die Stränge schlugen«, aber er liebte sie. Er vergab ihnen. Und er starb sogar für sie (und jeden von uns), um sie vom ewigen Verderben zu retten.

Größere Liebe hat niemand als diese, dass jemand sein Leben lässt für seine Freunde. (Joh 15,13)

So groß ist die Liebe Jesu. Und unsere Liebe? Wie groß ist die? Wie weit reicht sie?

Denn Christus ist, da wir noch kraftlos waren, zur bestimmten Zeit für Gottlose gestorben. (Röm 5,6)

Es ist schön, wenn wir in der Gemeinde Freunde haben und uns gegenseitig lieben. Aber das reicht für die Erfüllung des Liebesgebotes Jesu bei weitem nicht aus. (Abgesehen davon, dass es für Außenstehende auch sehr schwer sein kann, Anschluss in einer Gemeinde zu finden, wenn diese aus verschiedenen Freundeskreisen besteht und nicht auch offen ist für Menschen, die gerade nicht in diese »Cliquen« passen.)

Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.

Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen … Denn wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr Besonderes? Tun nicht auch die von den Nationen dasselbe? (Mt 5,43-44.46-47)

Wenn man nur seine Freunde grüßt und liebt, tut man nichts Besonderes. Das tun auch die Nichtchristen! Manche Menschen sind anstrengend. Manche machen es einem schwer, nett und liebevoll mit ihnen umzugehen. Auch (oder gerade?) in der Gemeinde gibt es »komische Vögel«. Schließlich ruft Jesus ja gerade die »Mühseligen und Beladenen« (Mt 11,28) zu sich. Menschen mit Problemen und Schwierigkeiten. Und die sind mit dem Tag der Bekehrung nicht gleich verschwunden. Genauso wenig die sonstigen »Ecken und Kanten«, die wir alle (noch) haben. Und das ist unser Übungsfeld. Wo Menschen es anderen schwer machen, können wir Jesu Liebe zeigen. Genau das soll unser Erkennungszeichen sein!

Und noch mehr: Gott wird all diejenigen, die so selbstlos lieben wie er, belohnen. Jesus spricht sogar von »großem Lohn«!

Doch liebt eure Feinde, und tut Gutes, und leiht, ohne etwas zurückzuerhoffen, und euer Lohn wird groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, und ihr werdet nicht gerichtet werden; verurteilt nicht, und ihr werdet nicht verurteilt werden. Lasst los, und ihr werdet losgelassen werden. (Lk 6,35-37)

Und dazu gehört auch, nicht zu richten und zu verurteilen. Wie schnell gehen uns kritische Worte über die Lippen. Wie schnell urteilen wir, ohne die wahren Hintergründe zu kennen (vgl. 1. Kor 4,5). Gott dagegen handelt ganz anders und daran sollten wir uns orientieren. Auch wenn das natürlich nicht immer leicht ist.

Im Gemeindealltag kann sich die Liebe dagegen schon in viel kleineren Dingen zeigen. Zum Beispiel im Umgang der verschiedenen Generationen miteinander. Ist man gleich genervt, wenn ein Kind mal im Gottesdienst quängelt? Oder kann man sich freuen, dass der Herr Nachwuchs schenkt und eine neue Generation heranwächst? Sind die Jüngeren bereit, auch mit den Älteren zu reden, auf ihre Ratschläge zu hören und von ihren Erfahrungen zu lernen? Es ist jedenfalls interessant, dass das Alte Testament mit der Feststellung endet, dass vor dem Gerichtstag Gottes der Prophet Elia (nochmal) zu Israel gesandt wird, um die Generationen miteinander zu versöhnen!

Und er wird das Herz der Väter zu den Kindern und das Herz der Kinder zu ihren Vätern wenden, damit ich nicht komme und das Land mit dem Bann schlage. (Mal 3,24)

Und wie steht es mit der Musik? Die Geschmäcker sind verschieden. Allen kann man es nicht recht machen. Aber ist das wirklich so schlimm? Man kann die ganze Woche über seine Lieblingsmusik zu Hause hören und dazu singen so viel und so lange man möchte. Ist es denn wirklich so schlimm, wenn der persönliche Geschmack während der anderthalb Stunden Gottesdienst nicht berücksichtigt wird? Wer das Singen in Gemeinschaft bevorzugt, könnte sich einer Kleingruppe anschließen oder eine gründen und dort mit Gleichgesinnten die Lieblingslieder singen. Liebe ist erfinderisch!

Lasst uns von Jesus lernen. Lasst uns in seiner Liebe leben. Lasst uns seine Liebe weitergeben, damit die Liebe wirklich unser Erkennungszeichen ist und bleibt.

Wie der Vater mich geliebt hat, habe auch ich euch geliebt; bleibt in meiner Liebe. Wenn ihr meine Gebote haltet, so werdet ihr in meiner Liebe bleiben, wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. (Joh 15,9-10)

Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, so ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er gesehen hat, wie kann der Gott lieben, den er nicht gesehen hat? (1.Joh 4,20)