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Rund um Ostern

von Kerstin Marzinzik - Impressum & Datenschutz   ·   31.03.2019   ·   4 Minuten Lesezeit

Der Osterkreis umfasst eine Zeit von 12 Wochen: 6 Wochen vor Ostern und 6 Wochen danach.

Die frühe Kirche hatte noch keine besonderen Feiertage; sie feierte nur den Sonntag, den Tag der Auferstehung Jesu. Die zwei Kerzen, die sonntags gewöhnlich auf dem Abendmahltisch stehen (jedenfalls in den Landeskirchen) erinnern an die beiden Naturen Christi – wahrer Mensch und wahrer Gott.

Erst im Laufe der Zeit kamen weitere Feste hinzu. Das erste Fest, das man jährlich feierte, war Ostern. Getauft wurde damals nur einmal im Jahr – an Ostern. Der Taufe ging ein zweijähriger Unterricht voraus.

Zum Abschluss des Taufunterrichts wurden die Kleider der Täuflinge verbrannt – als Zeichen dafür, dass das Alte abgeschlossen war und etwas Neues begann. Von der Asche wurde ihnen ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet. Mit diesem Tag, dem Aschermittwoch, begann eine 40-tägige Buß- und Gedenkzeit, mit der die Täuflinge sich noch einmal ganz besonders auf die Taufe vorbereiten sollten. Sie endete am Ostersamstag. In dieser Zeit waren die Täuflinge auch vom Gottesdienst ausgeschlossen. Erst mit der Abendmahlsfeier an Gründonnerstag wurden sie wieder in die Kirche aufgenommen.

Unsere Passionszeit entwickelte sich aus der 40-tägigen Bußzeit, mit der die Täuflinge sich auf ihre Taufe vorbereiteten. Durch den Verzicht soll Zeit zur Besinnung, Buße und Gebet gewonnen werden. An den Sonntagen wurde allerdings nicht gefastet, weil der Auferstehungstag Jesu ein Feier- und Freudentag ist, an dem man weiterhin essen und sich freuen sollte bzw. durfte. (Zwischen Aschermittwoch und Ostern liegen folglich mehr als 40 Tage!)

Die Fastenzeit ist eigentlich eine katholische Tradition. Gefastet haben in der Passionszeit nur die Katholiken, die Protestanten nicht. In den letzten Jahren gewinnt die Fastenzeit im Protestantismus eine Renaissance – allerdings leider meistens nur um seiner selbst willen, nicht um Zeit zum konzentrierten Beten zu gewinnen.

Fasten ist durchaus biblisch: Mose auf dem Berg Sinai fastete 40 Tage, Elia in der Wüste, Ninive fastete, als es die Drohbotschaft vom Untergang der Stadt erhielt. Ebenso Jesus in der Wüste und Paulus nach seiner Bekehrung.

Es gab (schon in der Bibel) verschiedene Arten des Fastens. Absolutes Fasten (völliger Verzicht auf feste und flüssige Nahrung) kann man nicht viel länger als einen Tag durchhalten. Gewöhnliches Fasten, bei dem nur auf feste Nahrung verzichtet wird, kann länger durchgehalten werden. Beim teilweisen Fasten kann man entweder halbe Tage fasten oder aber auf bestimmte Lebensmittel (z. B. Fleisch) völlig verzichten.

Im Mittelalter war das Fasten weit verbreitet, was der Bierbrauerei guten Aufschwung verschaffte. Wenn man auf feste Nahrung verzichtete, nährten die Mönche sich mit Bier. Fasten wurde zur Gesetzlichkeit – man versuchte, zu tricksen. Wenn Fleisch verboten war, erklärte man den Biber zum Fisch, Fisch war erlaubt, und so hebelte man die Gesetze wieder aus.

Fasten wurde in der Bibel zur Gebetsunterstützung praktiziert. Es ist ein Zeichen der Demut und der Ernsthaftigkeit und wurde gerne vor wichtigen Entscheidungen durchgeführt, wenn es um Wegweisung ging (um Gottes Willen zu erkennen); ebenso bei der Krankenheilung und Dämonenaustreibung.

Es wurde zur Erinnerung an besonderen Ereignissen gefastet (z. B. die Zerstörung des Tempels oder die Einnahme Jerusalems durch die Babylonier), aber auch als Vorbereitung auf besondere Feste wie Hochzeiten, Ostern und eben die Taufe.

Fasten ist an sich eine gute Sache. Entscheidend sollte allerdings sein, die gewonnene Zeit wirklich für Besinnung, Buße und Gebet zu nutzen. Sonst ist es (in geistlicher Hinsicht) nutzlos!

Der Name Gründonnerstag für den Donnerstag vor Ostern leitet sich vom Lateinischen »grenare«, »weinen« ab. An diesem Tag wurden die Täuflinge wieder in die Kirche aufgenommen. Karfreitag ist der Tag der Kreuzigung Jesu.

Die Herkunft des Namens Ostern ist ungewiss. Manche leiten es von der heidnischen Frühlingsgöttin/Fruchtbarkeitsgöttin »Ostara« ab. Andere sehen den Ursprung des Namens in dem altdeutschen Wort »urständ« »auferstanden«. Man kann es auch von Osten ableiten, »von Osten kommen«.

Die Osterzeit ist eine Freudenzeit – freudig, fröhlich, ganz anders als die Passionszeit.

Die lateinischen Namen der Sonntage in der Passionszeit leiten sich von den Anfängen der Wochenpsalmen ab (jeweils das erste Substantiv des Psalms gibt dem Sonntag den Namen).

Nach Ostern folgen noch einmal 6 Wochen. Die Sonntage in dieser Zeit tragen ebenfalls lateinische Namen.

Himmelfahrt ist der Tag der Himmelfahrt Jesu. Vierzig Tage nach dem Passahfest (dem Fest, an dem Mose das Volk Israel aus Ägypten führte und das Israel seitdem als Erinnerungsfest feiert und auch das Fest, an dem Jesus gekreuzigt wurde) stieg Mose einst auf den Berg Sinai, um von Gott die Torah, das Gesetz, zu empfangen. 40 Tage nach der Auferstehung (Ostern), stieg Jesus auch auf einen Berg, den Ölberg, um in den Himmel aufzufahren.

Das Pfingstfest am 50. Tag (d. h. 7 Wochen) nach Ostern beendet den Osterkreis.