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Ruhe finden

von Kerstin Marzinzik - Impressum & Datenschutz   ·   26.05.2019   ·   7 Minuten Lesezeit

Ruhe finden

Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben [o. zur Ruhe bringen]. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen; denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. (Mt 11,28-30)

Ruhe – wer sehnt sich nicht danach? Die Kinder sind vom Schuljahr erschöpft, die Erwachsenen von den Anforderungen in Familie und Beruf. Dazu gibt es manches an Sorgen, Ängsten und Nöten, die man »mit sich herumträgt«. Da ist die Sehnsucht groß, einfach mal frei zu sein, keine Pflichten zu haben, Abstand von allem zu gewinnen – und endlich zur Ruhe kommen. Darum ist für viele der Urlaub so wichtig. Doch wie schafft man es, im Alltag zur Ruhe zu kommen?

Ruhepausen für den Körper zu finden, ist angesichts der vielfältigen Verpflichtungen, Aufgaben und Termine oft schon schwierig. Mindestens genauso wichtig wie die physische Ruhe ist es aber, die Seele Ruhe finden zu lassen. Oft beginnen die Gedanken auch gerade dann um die Probleme und Sorgen zu kreisen, wenn man eigentlich zur Ruhe kommen möchte. Wie schön, dass Jesus auch um dieses Problem weiß – und uns auch die Lösung nennt: »Kommt her zu mir … und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen«!

Die Tatsache, dass nicht jeder Christ völlig entspannt durchs Leben geht, zeigt schon, dass es oft ein etwas längerer Weg ist, bis man bei Jesus die gesuchte Ruhe gefunden hat. Aber das verheißene Ergebnis, die Ruhe für die eigene Seele, zeigt, dass es auf jeden Fall lohnend ist, den Weg zu gehen. Jesus hat nicht versprochen, dass er jedem, der ihm nachfolgt, alle Schwierigkeiten aus dem Weg räumen würde. Vielmehr spricht er davon, sein »Joch« auf sich zu nehmen und von ihm zu lernen.

Der erste Schritt besteht also darin, das Joch anzunehmen, d. h. zu akzeptieren, dass im Leben nicht alles wie geplant und gewünscht läuft. Und auch zu akzeptieren, dass man nicht alles »im Griff hat«, was einen dazu verleitet, sich Sorgen zu machen. Schwierigkeiten und Ungewissheiten sind fester Bestandteil des Lebens; wir können ihnen nicht ausweichen. Aber wir können lernen, gesund und konstruktiv mit ihnen umzugehen. Deshalb lädt Jesus uns dazu ein, von ihm zu lernen. Und wie verhielt Jesus sich? Er war sanftmütig und von Herzen demütig!

Jesus war nicht »profillos«. Gerade der »verblendeten« theologischen Elite gegenüber konnte er hart und schonungslos auftreten. Aber gegenüber den Schwachen und Schuldigen verhielt Jesus sich äußerst sanftmütig. Demütig bedeutet »in rechter Weise unterwürfig und sich einordnend« – insbesondere auch unter den Willen Gottes. Genau das tat Jesus: »Siehe, ich komme, um deinen Willen zu tun« (Hebr 10,7.9).

Dein Wohlgefallen zu tun, mein Gott, ist meine Lust; und dein Gesetz ist im Innern meines Herzens. (Ps 40,9)

Das ist wohl der Schlüssel, den man braucht, um Ruhe für die Seele zu erlangen. Gott fordert uns dazu auf, dass wir uns unter seine mächtige Hand demütigen:

So demütigt euch nun unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zur rechten Zeit, indem ihr all eure Sorge auf ihn werft; denn er ist besorgt für euch. (1.Pt 5,6-7)

Diese Verse sind sehr aufschlussreich. Zunächst wird erklärt, was mit demütigen gemeint ist: alle Sorgen auf Gott zu werfen. Sorgen für sich selbst zu behalten, bringt uns nicht weiter – im Gegenteil. Sie rauben uns nur Kraft, Energie und Freude. In der Bergpredigt erinnert Jesus seine Zuhörer daran, dass wir mit Sorgen unser Leben kein bisschen verlängern können (Mt 6,27). Wenn wir dagegen unsere Sorgen an Gott abgeben, sind sie an der besten Adresse, die es gibt. Einerseits, weil Gott nämlich besorgt für uns ist (V. 7). Wir müssen keine Angst haben, dass Gott unsere Sorgen egal oder gleichgültig wären. Schon irdischen Vätern sind die Sorgen ihrer Kinder im Normalfall nicht egal – wie viel weniger erst Gott! Und dazu kommt noch, dass Gott ja viel mächtiger ist als wir. Das wird mit der mächtigen Hand in V. 6 nochmal ganz explizit erwähnt. Kein Mensch hat so viel Macht und Überblick wie Gott. Er wird die beste Lösung für unsere Probleme finden – ganz bestimmt. Die Frage ist nur, ob wir das glauben, d. h. ob wir ihm vertrauen. (Das NT wurde ja bekanntlich in Griechisch geschrieben und das Griechische Wort für Glauben, pistis, bedeutet auch Vertrauen!)

Gott ist, wie bereits erwähnt, für uns besorgt. Das »Sorgen« ist Gottes Aufgabe. Wenn wir uns selbst sorgen, ist das also eine Kompetenzüberschreitung, wie jemand festgestellt hat. Wenn wir dagegen Gott völlig vertrauen und alle unsere Sorgen an ihn abgeben (und auch wirklich bei ihm lassen), kann unsere Seele Ruhe finden. Und spätestens im Himmel werden wir erkennen, wie wahr Römer 8,28 ist – selbst wenn Gottes Lösung vielleicht anders aussieht, als wir uns wünschen würden:

Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken […]

Wir Menschen brauchen immer wieder Ruhe. Interessant ist, dass der Mensch am Ende des sechsten Schöpfungstages geschaffen wurden. Darauf folgte der siebte Tag, der Tag, an dem Gott ruhte und den er im mosaischen Gesetz zum Ruhetag für die Menschen bestimmt hatte. Die Menschheitsgeschichte begann quasi mit Ruhe! Und mit ungetrübter, sehr enger Gemeinschaft mit Gott. Durch den Sündenfall ändere sich das leider. Seitdem ist die Arbeit beschwerlich und mühsam und auch die Gemeinschaft mit Gott getrübt. Doch dann sandte Gott seinen Sohn, Jesus Christus, auf diese Erde, um das Sündenproblem der Menschen zu lösen und ihnen einen »Ruheort« anzubieten. Wohl dem, der dieses Angebot annimmt und sowohl seine Sünden als auch Sorgen und Nöte zu Jesus bringt, um Herz und Seele zu entlasten und Gottes Ruhe und Frieden zu empfangen!

Einem festen Herzen bewahrst du den Frieden, den Frieden, weil es auf dich vertraut. (Jes 26,3; Schlacher)

Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen [o. alle, die ihr euch abmüht] und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben [o. zur Ruhe bringen]. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen; denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. (Mt 11,28-30)

Ruhe – wer sehnt sich nicht danach? Das Leben ist anstrengend und abends sind die meisten Menschen froh, wenn sie nach vollbrachtem Tagwerk erschöpft ins Bett gehen können. Doch nicht nur der Körper braucht Ruhezeiten, sondern auch die Seele. Es gibt so vieles an Ängsten, Sorgen und Nöten, das einen Menschen belasten kann. Davon Abstand und Ruhe zu gewinnen, ist deutlich schwieriger, als Ruhephasen für den Körper einzuhalten. Gerade wenn die Arbeit erledigt ist und man zur Ruhe kommen will, beginnen die Gedanken meistens besonders intensiv um die Probleme zu kreisen. …

Jesus lädt alle »Mühseligen und Beladenen« zu sich ein – er will und kann ihnen Ruhe geben. »Mühselig« sind Menschen, die sich »abmühen«, die durch körperlich oder geistig anstrengende Arbeit erschöpft sind; oder auch durch Sorgen. »Beladene« sind Menschen, die Bürden oder Lasten tragen; die Sorgen und Nöte haben. Oder auch Menschen, denen das Leben durch religiöse Riten und gesetzliche Vorschriften schwer gemacht wird, wie damals durch die Pharisäer, über die Jesus seine »Weherufe« aussprach: »Auch euch Gesetzgelehrten wehe! Denn ihr belastet die Menschen mit schwer zu tragenden Lasten, und selbst rührt ihr die Lasten nicht mit einem eurer Finger an.« (Lk 11,46).

Glücklicher Weise gibt es in den meisten christlichen Kirchen und Freikirchen kaum noch »religiösen Druck« . (In den Sekten sieht es dagegen oft anders aus.) Dennoch gibt es auch in unserer Gesellschaft viele Menschen, die durch die Arbeit oder auch die Arbeitsbedingungen zur Erschöpfung gebracht werden (»Burn out«). Berufstätige Frauen leiden oft unter der Doppelbelastung von Beruf und Haushalt/Familie. Aber auch Sorgen und Nöte können einem Lebensfreude und Kraft rauben. Jeder hat irgendwie »sein Päckchen zu tragen«. Fast alle sehnen sich nach Ruhe. Und Jesus lädt sie alle ein, zu ihm zu kommen und bei ihm Ruhe zu finden.

Die «Mühseligen« sind entweder diejenigen, die durch Arbeit oder auch Bürden und Sorgen müde und erschöpft sind. Oder diejenigen, die mit großer Anstrengung (körperlich oder geistig) arbeiten oder sich abplagen. Das mit »Beladene« übersetzte Wort kommt von dem griechischen Wort »phortizo« beladen. Es bedeutet: eine Bürde oder Last auf jemanden legen; jemanden mit etwas beladen (und damit belasten) oder auch jemanden etwas tragen lassen (die gesetzlichen Vorschriften oder mühevolle religiöse Riten der Pharisäer). Das Wort kommt im NT nur zweimal vor. Neben Mt 11,28 noch in Lk 11,46: »Er [Jesus] aber sprach: Auch euch Gesetzgelehrten wehe! Denn ihr belastet die Menschen mit schwer zu tragenden Lasten, und selbst rührt ihr die Lasten nicht mit einem eurer Finger an.«