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Bibelfreun.de

… du bestimmst selbst, wie viel du möchtest!

von Kerstin Marzinzik - Impressum & Datenschutz   ·   28.07.2019   ·   6 Minuten Lesezeit

Vor einiger Zeit wurde ich eingeladen, die Bezirkshandlung einer »Firma« zu besuchen, die ihre Produkte über »Hauspartys« vertreibt. Was ich dort erlebte, war sehr interessant – und erinnerte mich zwischendurch immer wieder an die christliche Gemeinde und manches sogar an den Himmel.

Man trifft sich nicht sonntagmorgens, sondern montagabends (oder morgens), aber auch jede Woche. Schließlich müssen die Mitarbeiter ja gut geschult sein und sich gut auskennen, um die Produkte gut bewerben und Kundenfragen sachgemäß beantworten zu können. Um das sicherzustellen, werden neben den wöchentlichen Treffen auch immer wieder besondere Schulungen angeboten. Ähnlich wie wir Christen unsere Bibelkenntnis durch tägliches Bibellesen und den Besuch von Bibelstunden, Hauskreisen, christlichen Vorträgen, Konferenzen oder Freizeiten vertiefen.

und wie neugeborene Kinder seid begierig nach der vernünftigen, unverfälschten Milch, damit ihr durch diese wachst zur Errettung … (1.Pt 2,2)

Wachst aber in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus. (2.Pt 3,18)

Interessant war, wie man die Erfolge gemeinsam »gefeiert« hat. Alle, die aktiv gewesen sind, durften nach vorne auf die Bühne kommen und bekamen ein kleines Geschenk. Diejenigen, die wenig Umsatz gemacht hatten, zuerst, diejenigen mit dem größten Umsatz zuletzt – von den übrigen kräftig beklatscht.

Jeder wird mit einem festen Prozentsatz am Verkaufsumsatz beteiligt. Wer für den gerade begonnenen und den kommenden Monat schon drei feste Termine für »Verkaufspartys« hatte, durfte an einer Verlosung von einigen Produkten der Firma teilnehmen. Man bekommt also nicht nur den vorher fest vereinbarten Lohn, der vom persönlichen Einsatz und Erfolg abhängig ist, sondern bei ausreichender Aktivität und mit etwas Glück noch einige wertvolle und nützliche Geschenke »on top« (obendrauf). Die Gewinner wurden während der Veranstaltung ausgelost und durften unter Applaus der übrigen auf die Bühne kommen, um ihr Geschenk in Empfang zu nehmen. Ob man das nun mag oder albern findet – es erzeugt ein Gefühl des »Sich-miteinander-Freuens«. Und spornt natürlich dazu an, selbst ein gewisses Aktivitätslevel zu erreichen oder zu halten, um selbst in den Genuss solcher Geschenke zu kommen. Ob der Jubel nun bei allen echt war oder bei manchem doch auch etwas Neid vorhanden war, selbst nicht so erfolgreich gewesen zu sein oder diesmal kein Glück gehabt zu haben, lässt sich natürlich nicht beurteilen.

Oft werden auf den wöchentlichen Treffen Mitarbeiter geehrt. Das habe ich nicht miterlebt. Dafür einen Reisebericht. Wer einen neuen Mitarbeiter rekrutiert, darf zur Belohnung an einer mehrtägigen Reise teilnehmen. Auf diesen Reisen treffen sich dann die erfolgreichen Verkäufer aus ganz Deutschland. Man hat dort Gemeinschaft miteinander, kann sich über erfolgreiche Vermarktungsstrategien austauschen, feiert miteinander – und bekommt am Ende der Reise natürlich auch noch eine Tasche mit einigen Firmenprodukten geschenkt.

Natürlich ist alles freiwillig. Immer wieder wurde betont, dass man nicht zu hohen Aktivitäten und Umsätzen gezwungen ist: »Du bestimmst selbst, wie viel du willst!« – sowohl bezüglich der Aktivität, aber natürlich dann auch bezüglich des Lohns. Da der Konzern von hoher Aktivität profitiert, belohnt er auch entsprechend – einerseits durch den höheren Verdienst und zusätzlich noch durch die »On-top«-Geschenke.

Warum beschreibe ich das alles so ausführlich? Weil die weltlichen Organisationen für ihre Zwecke sehr schlau vorgehen und wir manches davon lernen können:

denn die Söhne dieser Welt sind klüger als die Söhne des Lichts ihrem eigenen Geschlecht gegenüber. Und ich [Jesus] sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, man euch aufnehme in die ewigen Hütten. (Lk 16,8-9)

Das viele Geklatsche, die Freude und der Jubel haben mich an die charismatischen Gemeinden erinnert. Dort wird deutlich mehr Gefühl und Freude über den Glauben gezeigt als in unseren eher nüchternen Gottesdiensten. Auf jeden Fall ist es schön, wenn man Glaubenserlebnisse miteinander teilen und sich auch von Herzen miteinander freuen kann. Dazu sind wir aufgerufen:

Freut euch mit den sich Freuenden, weint mit den Weinenden. (Röm 12,15)

Mit den Weinenden zu weinen fällt oft viel leichter, weil es denen ja schlechter geht als einem selbst. Sich mit den Fröhlichen und Gesegneten zu freuen, ist oft viel schwerer. Wie schön ist es aber, wenn man die kleinen Erfolge im geistlichen Leben miteinander teilen und sich auch gemeinsam darüber freuen kann: wenn es einem gelungen ist, dem Bösen zu widerstehen; wenn ein anderer den Mut hatte, einen evangelistischen Flyer weiterzugeben; wenn jemand die Gelegenheit hatte, einem Freund, Nachbarn, Arbeitskollegen oder wem auch immer von seinem Glauben zu erzählen; wenn man erleben durfte, dass Gott einen im Alltag gesegnet hat. Das christliche Leben hat so viele Facetten. Wenn man mit Gott unterwegs ist, erlebt man immer wieder, wie der Herr einen segnet. Oft sind es Kleinigkeiten, manchmal auch größere Dinge. Manchmal wartet man sehr lange, mancher Segen kommt schnell und völlig überraschend. Es gibt so vieles, worüber man sich selbst und auch zusammen mit anderen freuen kann. Das sollten wir einander von Herzen gönnen und einander nicht beneiden. Mal ist der eine dran, nächstes Mal der andere. Aber keiner, der mit Gott unterwegs ist, geht leer aus – weder in diesem Leben noch im zukünftigen!

Übrigens: wenn wir uns hier auf Erden gemeinsam über die Segnungen Gottes freuen und diese miteinander feiern, ist das eine gute Vorbereitung auf den Himmel. Dort herrscht nämlich auch Freude. So lesen wir in Lk 15 (V.7+10), dass die Engel im Himmel sich über jeden einzelnen Sünder freuen, der Buße tut, d. h. von seinem Weg umkehrt und zu Gott zurückkehrt. Und im Gleichnis vom verlorenen Sohn wird sogar beschrieben, wie der Vater, der ja für Gott steht, ein Fest für seinen zurückgekehrten Sohn organisiert: mit bestem Essen, Musik und sogar Tanz. Gott freut sich über uns – und wir dürfen uns an ihm und seinen guten Gaben freuen!

Lohn und Belohnungen gibt es im Himmel auch. Das erklärt Jesus mit dem Gleichnis von den anvertrauten Pfunden (Lk 19,11-27). Zehn Knechte bekamen von ihrem Herrn je ein Pfund. Als der Herr nach längerer Zeit wiederkam, rechnete er mit seinen Knechten ab. Einer hatte 10 Pfunde hinzugewonnen und bekam als Lohn dafür 10 Städte anvertraut. Ein anderer hatte fünf Pfunde erwirtschaftet und bekam dafür fünf Städte anvertraut. »… du bestimmst selbst, wie viel du möchtest!« Niemand zwingt dich, viel für das Reich Gottes zu tun. Gott lässt dir Freiheit. Du entscheidest selbst. Aber dein Lohn im Himmel wird von deiner Hingabe abhängen; davon, wie viel du dich hier für das Reich Gottes engagierst. Dabei dürfen wir den Erfolg nicht mit weltlichen Maßstäben messen. Bei Gott zählt Treue (vgl. Lk 19,17), nicht unbedingt das Ergebnis. So waren die alttestamentlichen Propheten größtenteils nicht sehr »erfolgreich«. Viele im Volk wollten an der Sünde festhalten und nicht zu Gott umkehren. Aber sie erfüllten treu ihren Auftrag, das Volk zu warnen, und werden ihren Lohn dafür erhalten.

Interessant ist nun das Ende des Gleichnisses. Einer der Knechte hatte nichts mit dem anvertrauten Geld gemacht, sondern es einfach in seinem Schweißtuch aufbewahrt. Der Herr war davon nicht begeistert und befahl, ihm das Pfund wegzunehmen und demjenigen zu geben, der die 10 Pfunde erwirtschaftet hatte. Die Dabeistehenden fanden das ungerecht, aber der Herr blieb dabei. Auch bei Jesus gibt es für besonders engagierte Jünger eine »On-top«-Belohnung. Niemand wird zu irgendetwas gezwungen, aber wie viel wir hier investieren, entscheidet darüber, wie viel Lohn wir im Himmel erhalten werden!